{"id":2260,"date":"2021-02-23T13:02:30","date_gmt":"2021-02-23T12:02:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.patrick-teuffel.eu\/?p=2260"},"modified":"2021-04-14T13:44:41","modified_gmt":"2021-04-14T11:44:41","slug":"beton-better-than-its-reputation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.patrick-teuffel.eu\/de\/beton-better-than-its-reputation\/","title":{"rendered":"Beton! Besser als sein Ruf?"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.patrick-teuffel.eu\/wp\/wp-content\/uploads\/concrete-2420845_1920-16-9-1.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"auto\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1896\" \/><\/p>\n<p>Abb. 1: cco Betonarchitektur<\/p>\n<p>DUURZAAM dieses niederl\u00e4ndische Wort steht gleicherma\u00dfen f\u00fcr \u201enachhaltig\u201c als auch f\u00fcr \u201edauerhaft\u201c. Ein anschaulicher Hinweis darauf, dass ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit die Dauerhaftigkeit eines Produktes darstellt.<br \/>\nBeton ist ein sehr dauerhafter Baustoff, wenn er richtig eingesetzt wird. Einiges schlechter sieht seine Bilanz im Sinne der Umweltwirkungen bei der Herstellung aus. Darum wird Beton heutzutage in der \u00d6ffentlichkeit oft als wenig nachhaltig wahrgenommen.<br \/>\nDer Fokus zur Reduktion von Umweltwirkung durch den Einsatz m\u00f6glichst nachhaltiger Baustoffe liegt aktuell vor allem auf dem vermehrten Einsatz von Holz. Hierbei wird insbesondere nach M\u00f6glichkeiten gesucht, Bauaufgaben im Geschossbau, die in den vergangenen Jahrzehnten dem Massivbau vorbehalten waren, in Holzbauweise zu verwirklichen. K\u00fcrzlich erschien dazu ein Artikel auf Spiegel.de mit der \u00dcberschrift &#8211; \u201eBaustoffdiktat\u201c Wie die Betonlobby gegen Holzh\u00e4user k\u00e4mpft -.<br \/>\nHolz ist ein nachwachsender Rohstoff. Er bindet CO2 und hat bei konsequenter Umsetzung des konstruktiven Feuchteschutzes eine Dauerhaftigkeit, die die \u00fcbliche geplante Nutzungsdauer f\u00fcr Hochbauten von 50 Jahren weit \u00fcberschreitet.<br \/>\nUnd doch gibt es unbestritten auch Nachteile, die gegen den Einsatz von Holzwerkstoffen sprechen k\u00f6nnen. Dies gilt z.B. f\u00fcr unterirdische Bauten, oder Br\u00fccken des schienengebundenen Verkehrs und motorisierten Verkehrs.<br \/>\nEin Konkurrenzkampf zwischen dem nachwachsenden Rohstoff Holz und dem Baustoff Beton, wie im Spiegelartikel suggeriert wird, ist darum der falsche Weg, um nachhaltiges Bauen voranzubringen. Es gibt und wird auch in Zukunft Bereiche geben, in denen der Beton auf Grund seiner Dauerhaftigkeit anderen Baustoffen \u00fcberlegen ist. Um seinen Einsatz nachhaltiger zu gestalten ist es jedoch notwendig, die Umweltwirkungen bei seiner Herstellung zu reduzieren.<br \/>\nIn einem fr\u00fcheren Blog-Beitrag wurde bereits die Verknappung der Ressource Sand diskutiert (https:\/\/www.patrick-teuffel.eu\/the-world-in-a-grain\/). Die Gesteinsk\u00f6rnung macht bis zu 70% des Baustoffgemischs Beton im Hochbau aus (Breit et al 2018 p.61). Der Einsatz von rezykliertem Beton k\u00f6nnte hier eine wichtige Rolle spielen. Aber Betongranulat in hoher Qualit\u00e4t (sortenrein, ohne Verunreinigungen) ist ein rares Gut. Laut Bundesverband Baustoffe \u2013 Steine und Erden e.V. (2018) entstanden 2016 58,5 Mio. Tonnen Bauschutt (mineralische Bauabf\u00e4lle der Abfallschl\u00fcsselnummern 170101, 170102, 170103 und 170107). Hiervon wurden 77,7% (45,5 Mio Tonnen) recycled. Andererseits konnten im selben Jahr nur 12,7% am Gesamtbedarf an Gesteinsk\u00f6rnung f\u00fcr den Stra\u00dfenbau, Erdbau und die Alphalt- und Betonherstellung (566,5 Mio Tonnen) durch Recyclingmaterial aus allen Bereichen des mineralischen Recyclings gedeckt werden (also einschl. der Bauabf\u00e4lle niedrigerer Qualit\u00e4t). Dies erkl\u00e4rt zum Teil die zur\u00fcckhaltende Bereitschaft der Baustoffindustrie, auf das hochwertige Aufbereiten des Betongranulates zu setzen, da der hohe Bedarf an Material im Bereich Stra\u00dfenbau und Erdbau eine einfachere wirtschaftliche Wiederverwertung zul\u00e4sst. Gleichzeitig ist die Verf\u00fcgbarkeit von rezykliertem Material vom regionalen Angebot an Bauschutt abh\u00e4ngig. Diese Verf\u00fcgbarkeit geht nicht zwangsweise mit der gleichen regionalen Verteilung des Bedarfs an frischem Recyclingbeton einher. In Dechantsreiter et al (2015) ist dargelegt, dass es hier auf Grund von unterschiedlicher Bev\u00f6lkerungsentwicklung zu einem \u00d6ffnen der Schere zwischen regionalem Bedarf und Verf\u00fcgbarkeit kommen kann. Interessanter Weise gibt es \u00e4hnliche Bef\u00fcrchtungen in Bezug auf die Verf\u00fcgbarkeit von Gesteinsk\u00f6rnung aus nat\u00fcrlichen Vorkommen. Wie Benzel (2019) exemplarisch f\u00fcr Baden-W\u00fcrttemberg und Hilgers und Becker (2019) globaler darstellen, ist zwar auf lange Zeit keine Verknappung der nat\u00fcrlichen Ressourcen zu bef\u00fcrchten. Die zunehmenden Interessenskonflikte zwischen Rohstoffgewinnung und Ausweisung von Schutzgebieten sollten jedoch Motivation genug sein, die Verf\u00fcgbarkeit von nat\u00fcrlichen Ressourcen zu \u00fcberdenken und noch st\u00e4rker auf die Kreislaufwirtschaft zu setzen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.patrick-teuffel.eu\/wp\/wp-content\/uploads\/garage-1149542_1920-16-9.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"auto\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1896\" \/><\/p>\n<p>Abb. 2. cco Garagen aus Beton<\/p>\n<p>Der Einsatz rezyklierter Gesteinsk\u00f6rnung bei der Betonherstellung reduziert zwar die Umweltwirkungen, die durch den Abbau von Gesteinsk\u00f6rnung entstehen. Dies allein ist jedoch noch nicht ausreichend, um Beton als Baustoff nachhaltiger zu machen. Der Baustoff, der neben der Gesteinsk\u00f6rnung entscheidend f\u00fcr die Herstellung von Beton ist, ist der Zement. Hier gibt es zwar bereits umfangreiche Forschungsergebnisse zu L\u00f6sungsans\u00e4tzen wie die Entwicklung alternativer Bindemittel, den Austausch des Portlandzementes durch Ersatzstoffe (Heinze und Heisig (2018), Thienel und Beuntner (2018)) und der Reduktion des Zementanteils bei gleichzeitiger Erh\u00f6hung der Packungsdichte der K\u00f6rnung. All diese Alternativen befinden sich jedoch noch im Entwicklungsstadium und es wird dauern, bis hier eine Marktreife erreicht wird. Zudem ist noch nicht zweifelsfrei erwiesen, dass alle Ans\u00e4tze auch tats\u00e4chlich zu einer Reduktion der Umweltwirkungen im Vergleich zum konventionellen Portlandzementeinsatz f\u00fchren (Moffatt und Haist (2019)).<br \/>\nWas also tun? Statt die vorhandenen verbauten Betonmengen durch Downcycling zu Granulat zu verarbeiten und mit Hilfe von neu zu produzierendem Bindemittel wieder zu Feststoff erh\u00e4rten zu lassen sollte durch die Wieder- bzw. Weiterverwendung ganzer Bauteile aus Beton der Dauerhaftigkeit des Baustoffs Rechnung getragen werden. Dies erfordert jedoch ein Umdenken im Planungsprozess. Statt durch die Erschaffung von Bauteilen die Realisierung eines Entwurfes zu erm\u00f6glichen ist es erforderlich, anhand eines Elementvorrates einen realisierbaren Entwurf zu generieren. Dies ist sicher einfacher zu realisieren, wenn es um einen gleichwertigen Wiedereinsatz geht (z.B. Bauelemente aus einem Skelettbau eines B\u00fcrogeb\u00e4udes f\u00fcr den Skelettbau eines B\u00fcrogeb\u00e4udes). Forschungsprojekte hierzu entstanden bereits in den sp\u00e4ten 90er Jahren des vorherigen Jahrhunderts, als viele der ab den 60er Jahren in der DDR entstandenen Fertigteilbauten des Wohnungsbaus von massivem Leerstand betroffen waren. Wie z.B. Mettke (2012) zeigt, stellen durch sorgf\u00e4ltigen R\u00fcckbau gewonnene Plattenbauteile einen Mehrwert dar, der technisch und wirtschaftlich sinnvoll genutzt werden kann.<br \/>\nAll diese Ans\u00e4tze zeigen: Beton kann nachhaltig sein, wenn er richtig eingesetzt wird. Frei nach dem jahrzehntealten Slogan der Betonindustrie: \u201eBeton Es kommt darauf an, was man daraus macht\u201c, sollten wir alle, die im Bauprozess eine Rolle spielen, diesem Baustoff in Form von Wiederverwertung, Recycling und Kreislaufwirtschaft eine neue Dimension geben. Die technischen M\u00f6glichkeiten sind vorhanden, wir m\u00fcssen sie nur nutzen.<\/p>\n<p>LITERATUR<\/p>\n<p>Breit, W. et al (2018) Gesteinsk\u00f6rnung \u2013 von nat\u00fcrlicher bis rezyklierter K\u00f6rnung in Nolting, U. et al (eds.) Betone der Zukunft 14. Symposium Karlsruhe: KIT Scientific Publishing, pp. 61-74<\/p>\n<p>Bundesverband Baustoffe \u2013 Steine und Erden e.V. (2018) Kreislaufwirtschaft Bau Mineralische Bauabf\u00e4lle Monitoring 2016 \u2013 Bericht zum Aufkommen und zum Verbleib mineralischer Bauabf\u00e4lle im Jahr 2016, Berlin<\/p>\n<p>Dechantsreiter U. et al (2015) Instrumente zur Wiederverwendung von Bauteilen und hochwertigen Verwertung von Baustoffen Dessau Umweltbundesamt<\/p>\n<p>Benzel, L. (2019) Bewertung der regionalen Rohstoffverf\u00fcgbarkeit f\u00fcr die Herstellung von Beton in Nolting, U. et al (eds.) Ressourceneffizienter Beton 15. Symposium Karlsruhe: KIT Scientific Publishing, pp. 13-20<\/p>\n<p>Hilgers, H. und Becker, I. (2019) Geologische Aspekte und Umfeldanalyse zur \u00fcberregionalen Rohstoffverf\u00fcgbarkeit von Beton \u2013 Sand, Kalkstein, Gips in Nolting, U. et al (eds.) Ressourceneffizienter Beton 15. Symposium Karlsruhe: KIT Scientific Publishing, pp. 21-30<\/p>\n<p>Heinze, D. und Heisig, A. (2018) Flugasche und H\u00fcttensand \u2013 Zusatzstoffe mit Zukunft? in Nolting, U. et al (eds.) Betone der Zukunft 14. Symposium Karlsruhe: KIT Scientific Publishing, pp. 27-36<\/p>\n<p>Thienel, K.-Ch. und Beuntner, N. (2018) Calcinierte Tone und ihr Potenzial f\u00fcr die moderne Betontechnologie in Nolting, U. et al (eds.) Betone der Zukunft 14. Symposium Karlsruhe: KIT Scientific Publishing, pp. 37-48<\/p>\n<p>Moffatt, J. und Haist, M. (2019) Konzepte zur Herstellung von ressourceneffizienten Betonen am Beispiel der Granulometrie in Nolting, U. et al (eds.) Ressourceneffizienter Beton 15. Symposium Karlsruhe: KIT Scientific Publishing, pp. 33-42<\/p>\n<p>Mettke, A. (2012) Ressourceneffizienz als Beitrag zum Klimaschutz \u2013 Gebrauchte Betonelemente besser nutzen 3. URBAN MINING KONGRESS 2012 Iserlohn, Verf\u00fcgbar auf <strong><a href=\"https:\/\/www.urban-mining.com\/fileadmin\/pdfs\/vortraege_2012\/Mettke-Gebrauchte_Betonelemente_besser_nutzen.pdf\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">Mettke &#8211; Gebrauchte Betonelemente besser nutzen.<\/a><\/strong> (abgerufen: 09.02.2021)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abb. 1: cco Betonarchitektur DUURZAAM dieses niederl\u00e4ndische Wort steht gleicherma\u00dfen f\u00fcr \u201enachhaltig\u201c als auch f\u00fcr \u201edauerhaft\u201c. Ein anschaulicher Hinweis darauf, dass ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit die Dauerhaftigkeit eines Produktes darstellt. Beton ist ein sehr dauerhafter Baustoff, wenn er richtig eingesetzt wird. Einiges schlechter sieht seine Bilanz im Sinne der Umweltwirkungen bei der Herstellung aus. 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